Terrace Martin & The Polly Seeds im Gretchen

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17. November 2016

Terrace Martin und seine ‚Polly Seeds‘ haben nicht vor, sich unnötige Mühe mit übertriebenem Showgehabe zu geben. Sie kommen relativ überraschend auf die Bühne im Gretchen. Die meisten der rund hundert Gäste sitzen da noch entspannt auf den Sofas im hinteren Bereich. Auch im Laufe des Abends ändert sich das nicht großartig. Es ist spannend der Band zuzuschauen, aber einfach, weil sie sichtbar Spaß haben mit sich und der Musik. Und nicht, weil sie wissen, dass da jemand zuschaut.

Terrace Martin ist einer der jungen Künstler, die Jazz wieder ins Licht einer breiteren Öffentlichkeit zurückgebracht haben. Vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Rapper Kendrick Lamar, dessen Produktionen in den letzten Jahren durch kraftvolle Lyrics, aber eben auch durch wundervoll verjazzte Instrumentals ein breites Publikum erreicht haben. So tauchen an diesem Abend auch immer wieder Tunes von Lamars letztem Mixtape auf, wenn Martin zum Saxophon greift. Als das Publikum bekennt, einen Song von Lamars Album „To Pimp A Butterfly“ zu kennen, an dem Martin maßgeblich beteiligt war, freut der sich mehrmals „That’s my shit!“.

Aber natürlich lässt sich Martin musikalisch nicht auf diese Zusammenarbeit begrenzen. Allein was er mit einem Mikrofon und einem gekoppelten Synthie anstellt, ist schwer in Worte zu fassen. Ein leichtes Blasen gegen die Membran wird zu einer sanften Melodie, aus einem Hauchen wird ein drohender Hall. Seine Stimme wird zu einer Mundharmonika, auf der er sich hoch und runter spielt, sie kann Gospeleinwürfe machen und direkt danach ein Streichquartett sein.

Es ist der Abend nach den Präsidentschaftswahlen in den USA und ich bin ziemlich gespannt, was Terrace Martin dazu sagen wird. Immerhin ist er direkter betroffen als ich. Terrace Martin sagt aber lange sehr wenig zum Thema. Später erzählt er dann aber doch noch einiges, was ich zumindest indirekt als Reaktion zähle. Er sagt: „I believe in one colour. That is no colour.“ Und er verspricht, er werde weiter “peacefull music“ machen, „music that unites“.

Category: Musik