Konzertreview: Darien Dean bei The Orange Room

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24. Oktober 2016

Mit seinem einnehmenden Charakter und seiner ansteckenden Bühnenshow konnte der Soul-Jazzkünstler Darien Dean das Publikum schnell für sich gewinnen. Am Ende hielt es niemanden mehr auf den Stühlen.

 

Während draußen der nasskalte Herbst durch die Straßen zog, konnten sich die Besucher bei The Orange Room an der warmen, kraftvollen Stimme des Soul-Jazzkünstlers Darien Dean erfreuen. Im Rahmen seiner Europatournee legte der charismatische Sänger am 21. Oktober einen Zwischenstopp in Berlin ein. Auf der Bühne im Ellington Hotel präsentierte er nicht nur bekannte Stücke, sondern stellte auch einige Lieder von seinem neuen Album “Notes From The Journey” vor, das im Januar 2017 erscheinen wird.

Seit seinem seinem Erstlingswerk “If These Walls Could Take”, das 2009 erschien, wurde Darien Dean als aufstrebender Newcomer gefeiert und vielfach ausgezeichnet. Er konnte Preise wie “Best New Artist Of The Year”, “Battle Of The Crown” oder “Song Of The Year” gewinnen.

 

Vorfreude

Vor dem Konzert, das schon Tage vorher ausverkauft war, herrschte eine erwartungsfrohe Atmosphäre. An die 100 Leute wollten Darien Dean sehen und hören, was man durchaus als Zeichen verstehen konnte, dass der New Yorker Musiker auch außerhalb der Staaten auf sich aufmerksam und eine Fanbasis aufbauen konnte.

Ein Pärchen, das an der Abendkasse keine Tickets mehr ergattern konnte, wollte sich nicht vertrösten lassen und unverrichteter Dinge nach hause gehen. Es wollte unbedingt Darien Dean live erleben und harrte bis zum Beginn des Konzerts aus, in der Hoffnung, dass zwei Plätze im Zuschauerraum frei bleiben würden.

Auf der ganzen Breite des gemütlichen Konzertsaals, der in wohliges, orangefarbenes Licht getaucht war, wurden fünf Stuhlreihen aufgestellt. Zwei weitere standen jeweils links und rechts von der Bühne. Zudem zeichnete Potsdam TV das komplette Konzert mit drei Kameras auf, um es demnächst in voller Länge auszustrahlen.

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Beginn

Leslie Nachmann, Chefmoderatorin bei JazzRadio, begrüßte das Publikum auf ihre gewohnt sympathische Art und stellte den Star des Abends kurz vor. Unter viel Applaus betrat Darien Dean mit einem freundlichen Lächeln und seinen drei Mitmusikern im Schlepptau die Bühne. An diesem Abend wurde er exklusiv von drei Berliner Profis unterstützt: Connor Fitzgerald am Keyboard, Manu Zacek am Bass und Dave Haynes am Schlagzeug.

Darien Dean begrüßte die Zuschauer mit einem lockeren: “Hello! How are you?” Musikalisch begann das Konzert mit zarten, balladesken Klavierklängen, die den Raum erfüllten, aber lediglich Vorboten für die kraftvolle und dennoch weiche Stimme Darien Deans waren, mit der er die ersten Worte des ersten Songs intonierte.

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Spielfreude

Das ganze Konzert über sollte sich zeigen, dass es seine verführerische Stimme war, auf die er sich voll und ganz verlassen konnte und die ihn und seinen Auftritt trug. Mühelos beherrschte er sie. So schien ihm genug Energie zu bleiben, um mit seinem natürlichen Charisma eine anziehende Bühnenpräsenz zu entwickeln, gegen die das Publikum wehrlos war.

Neben den großen Gesten an das Publikum waren es vor allem die kleinen Gesten und seine Mimik während des Singens, die beeindruckten. Im Song “Black Widow” schienen seine Hände die Bewegung der Spinne nachzuahmen. Bei “The Line”, das er in Bezug auf die bevorstehende US-Wahl zeitkritisch ankündigte, bildeten sein Körper und sein Gesicht die nachdenkliche Stimmung des Liedes gänzlich nach.

Dabei hatte er Glück, die idealen Musiker für diesen Auftritt gefunden zu haben. Dank ihrer Hilfe konnte er seine Energie auf die Zuschauer übertragen. Obwohl sie zum ersten Mal miteinander spielten, harmonierte das Trio sowohl untereinander als auch mit Darien Dean. In verschiedenen Songs streuten sie – teilweise auf Fingerzeig Dariens hin – spontane Soli und Improvisationen ein, was mit ebenso spontanem Applaus bedacht wurde. So geschehen insbesondere bei “Limitless”. Dem Titel gemäß zelebrierten sie geradezu eine grenzenlose Spielfreude. Manchmal nahm ihr Spiel die Züge einer Jamsession an, in der sie sich selbst nicht ganz so ernst nahmen. Sie zelebrierten den Spaß an der Musik, was vom Publikum bereitwillig aufgesogen wurde.

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Konversation

Dementsprechend interagierte Darien Dean mit dem Publikum, indem er es zum Mitsingen animierte. Er gab die Worte vor, welche die Zuschauer wiederholten. Bei seiner Coverversion des Stevie Wonder Songs “Love’s In Need” geschah dies noch recht verhalten. Doch zum Ende des Konzerts hin, bei seiner Nummer “Love Revolution”, sangen sie die titelgebenden Worte mit und streckten die Fäuste empor, als wollten sie zumindest in der Lounge des Ellington Hotels eine kleine Revolution der Liebe starten.

Musik ist Konversation, erklärte Darien. Daher schätze er an The Orange Room die Intimität, die sich in einem solch persönlichen Rahmen zwischen Künstler und Publikum entwickelt. Hier könne er sich die Zeit nehmen, um zu erzählen, worum es in seinen Songs geht. Um diese Intimität zu veranschaulichen, goß sich Darien eine Tasse Tee auf der Bühne ein.

Diese Konversation zwischen Künstler und Publikum sollte ihren Höhepunkt bei dem letzten Song und der anschließenden Zugabe erreichen. Zu Orgelklängen erhoben sich die Zuschauer von ihren Plätzen, klatschen in die Hände oder schwenkten die Arme in der Luft und folgten dem call and response Dariens. Hier erinnerte der Auftritt an einen Gospel-Gottesdienst aus den Südstaaten der USA und veranschaulichte, was Darien damit meinte, dass Musik ein Kollektivgefühl erzeuge.

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Abschied

Nach mehr als zwei Stunden Soul-Jazz hielt es niemanden auf den Stühlen. Wäre das Konzert nicht bestuhlt gewesen, das Publikum hätte von Beginn an getanzt. Aber auch im Sitzen erlebte es einen dynamischen und nahbaren Musiker. Während der Pause am CD-Stand sowie nach dem Konzert begrüßte und verabschiedete Darien Dean jeden Zuschauer per Handschlag.

Mit der Erinnerung an diesen Abend und einer von Dariens CDs konnte man sich das wohligwarme Gefühl, das im Orange Room herrschte, ein Stück weit konservieren und mit nach hause nehmen. Den Nachhauseweg durch den nasskalten Herbst nahm man dafür gerne in Kauf.

 

Benny Krüger studierte Literatur und Philosophie in Hannover und Berlin.

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