Konzertreview: Christmas In Swing mit der Andrej Hermlin Swing Dance Band

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29. November 2016

Woran erkennt man, dass Weihnachten vor der Tür steht? Laut Andrej Hermlin an den Schokoladennikoläusen im Supermarkt. Ein mindestens ebenso untrügerisches Zeichen für das bevorstehende Weihnachtsfest ist das JazzRadio Weihnachtskonzert Christmas In Swing mit der Andrej Hermlin Swing Dance Band, das einen Tag vor dem ersten Advent die Vorweihnachtszeit einläutete.

Im Femina Saal des Ellington Hotels präsentierte der Berliner Bandleader ein traditionsreiches Set im gewohnt originalgetreuen Stil. Für solch ein Weihnachtskonzert schienen Andrej Hermlin und seine Band geradezu prädestiniert, stammen doch die meisten US-Weihnachtsklassiker aus der Swing-Ära, wie Hermlin erklärte.hermlin2_junior

Gute Musik, witzige Ansagen

Den Abend begannen Andrej Hermlin, der das Klavier bediente, und sein siebenköpfiges Orchester mit einem Instrumentalstück, bevor sie von ihrer Sängerin Bettina Labeau unterstützt wurden. Dabei konnte “Winter Wonderland” durchaus als ironischer Kommentar zu den kalten Temperaturen in Deutschland verstanden werden. Noch einen Tag zuvor hielt sich Andrej Hermlin in Israel auf, wo sommerliche 24 bis 28 Grad herrschten, wie er in seiner Ansage verriet.

Neben der Musik bezog der Abend seinen Charme insbesondere aus den Ansagen des Bandleaders, die er vor fast jeder Nummer mit viel Ironie und einem unglaublich trockenem Humor zum Besten gab. Darin erzählte er historische Anekdoten zu den Songs oder kleine Geschichten. Zum Beispiel, dass der gute Ruf des Weihnachtsmanns ungerechtfertigt sei, weil dieser ein kleiner Schwerenöter sei (vor “I Saw Mommy Kissing Santa Claus”), und wie man ihn als gehörnter Ehemann dingfest machen könnte (“Santa Claus Got Stuck In My Chimney”).

Auch Hermlins Sohn musste die ein oder andere liebevolle Neckerei über sich ergehen lassen. David Hermlin war der zweite Sänger des Abends und wechselte sich beständig mit Bettina Labeau ab. Der 16-Jährige überzeugte während seiner Stücke immer wieder mit Stepptanz, solange er nicht am Mikrofon gefordert war.

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Zugabe

Während der Pause stand Andrej Hermlin den Zuschauern für ein paar Schnappschüsse an der JazzRadio Fotowand zur Verfügung. In der zweiten Hälfte des Konzerts schwangen einige Gäste sogar das Tanzbein.

Nach “White Christmas” als letztes Lied wurden Andrej Hermlin und seine Band unter lang anhaltendem Applaus frenetisch gefeiert. Bevor er die Bühne verließ, bedankte sich Hermlin aufrichtig bei Sponsor Bernd Quinque und bei JazzRadio, ohne die ein solcher Abend nicht möglich wäre und Jazz zusehends in der medialen Bedeutungslosigkeit verschwinden würde.

Die finale Zugabe wurde nur unter der Bedingung der aktiven Beteiligung des Publikums gespielt. Dieses folgte der Aufforderung bereitwillig und intonierte zum Abschluss lautstark Hi De Hi De Hi De Hi und Ho De Ho De Ho De Ho aus Cab Calloways “Minnie The Moocher”.

Nach diesem Weihnachtskonzert mit Andrej Hermlin und seiner Swing Dance Band stellte sich die Vorfreude auf Weihnachten auch unabhängig von Schokoladennikoläusen im Supermarkt ein.

 

Benny Krüger

Category: Musik