Konzertreview: Anna Margolina & Band bei The Orange Room

Fotos: Laima Chenkeli
22. November 2016

Bekanntlich ist das Ellington Hotel ein Ort mit Jazztradition. Der Auftritt von Anna Margolina erinnerte daran. Sie und ihre Band verströmten ein klassisches Flair.

Vor dem Auftritt von Anna Margolina & Band am 18. November bei The Orange Room war die Stimmung gelassen. Aus den Boxen erklang zunächst Cooljazz und vermischte sich sanft mit dem Stimmengewirr des Publikums.

Der kleine Konzertsaal war ausverkauft. Bevor es offiziell losgehen konnte, mussten noch die letzten freien Sitzplätze gesucht werden, um alle Zuschauer adäquat unterbringen zu können.

 

Stilechter Auftritt

Der Kleidungsstil von Anna Margolina & Band war genauso stilecht wie ihr Sound. Die drei Herren trugen allesamt einen schwarzen Anzug. Die Sängerin hingegen stach nicht nur stimmlich, sondern auch optisch hervor. Sie trug ein bodenlanges rotes Abendkleid.

Begleitet wurde Anna Margolina von Hendrik Nehls am Kontrabass, Philip Dornbusch am Schlagzeug und Benjamin Geier am Piano. Die erste Nummer war “Cheek to Cheek”, womit direkt zu Beginn die Richtung für den bevorstehenden Abend vorgegeben wurde.

Die Band spielte einen klassischen, nahezu schnörkellosen Jazz, der an die Epoche erinnerte, aus der die meisten Songs der Setlist stammten. Neben bekannten Standards und einigen Eigenkompositionen fanden sich auch Coverversionen moderner Popsongs darunter, zum Beispiel von Tom Waits. Dabei wurden die Lieder immer wieder durch kleine Improvisationen der Musiker aufgelockert, was das Publikum jedes Mal mit spontanem Applaus zu würdigen wusste.

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Storyteller

In ihren Ansagen zwischen den Songs erzählte Anna Margolina kleine Anekdoten und Geschichten, womit sie die Stücke in einen Kontext bettete.

So erzählte sie stets mit ironischen Unterton vom Mond, der ihr in den letzten Tagen zu groß war (womit sie auf den Supervollmond wenige Tage zuvor anspielte), oder davon, dass im Jazz zwei Themen dominieren: Liebe und Alkohol.

Sie erzählte auch von einer Session mit einem jungen Pianisten, der unbedingt ein Lied von Norah Jones spielen wollte. Anna Margolina verriet ihm nicht, dass es sich dabei um einen alten Jazzstandard handelte.

 

Einladung zum Träumen

Bevor sich Anna Margolina & Band endgültig verabschieden durften, verlangte das Publikum noch zwei Zugaben. Das Konzert wurde mit “Dream a Little Dream of Me” beendet.

In Anbetracht des Auftretens und des Sounds der Band hätte man sich glatt in eine vergangene Ära des Jazz träumen können. In eine New Yorker Clublounge, wo Anna Margolina & Band spielen, während die Leute tanzen und Cocktails trinken. Man wartete regelrecht darauf, dass sich Frank Sinatra mit einem Glas Whiskey in der Hand unters Publikum mischt und dass sich die Sängerin aufs Klavier legt. Letzteres tat sie zumindest in der Fantasie, wie Anna Margolina beteuerte.

 

Benny Krüger

Fotos: Laima Chenkeli

Category: Musik