Konzertreview: Anna Margolina & Band bei The Orange Room

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06. Mai 2017

Anna Margolinas Auftritt bei The Orange Room war in mehrfacher Hinsicht ein denkwürdiger Abend, der allen Beteiligten sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Zunächst fand zum allerersten Mal ein Konzert von The Orange Room im altehrwürdigen und weitaus größeren Femina Saal des Ellington Hotels statt, was nicht zuletzt darin begründet lag, dass die letzten Konzerte in der Duke Lounge stets ausverkauft waren.

In dem traditionsreichen Femina Saal, in dem der Jazz bereits in den 1930er Jahren eine Heimat fand, lag es nun an Anna Margolina und ihrer dreiköpfigen Band, das Publikum musikalisch zu verwöhnen. Als wollten sie an die Tradition anknüpfen, begannen sie den Abend mit Klassikern wie Cheek to Cheek und One for My Baby (and One for the Road), womit sie bewiesen, dass sie mit ihrem Jazz, der neben bekannten Evergreens auch Eigenkompositionen bereithielt, in der Lage waren, sowohl die Lounge als auch den Saal musikalisch auszufüllen.

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Abrupte Pause

Nur leider fand die erste Konzerthälfte inmitten des letzten Liedes unvermittelt ihr Ende. Aufgrund eines medizinischen Notfalls im Publikum, der den Umständen entsprechend glimpflich verlief, musste die Pause frühzeitig eingeläutet werden. Auch musikalisch wartete der Abend von nun an mit diversen Unwägbarkeiten auf, die ihren Anfang darin nahmen, dass dem Schlagzeuger Bernd Ratmeyer während der ersten Konzerthälfte ein Teil seines Drumsets zerbrach, was ihn aber zunächst nicht davon abhielt weiterzuspielen.

In der Pause wollte er kurz nachhause fahren, um Ersatz für das defekte Stück zu besorgen, blieb auf dem Rückweg zum Ellington Hotel allerdings in einem abendlichen Fahrradkonvoi stecken, sodass die zweite Konzerthälfte erst einmal ohne ihn beginnen musste.

Ein Mann weniger

Anna Margolina und ihre verbliebene Zwei-Mann-Band machten aus der Not eine Tugend und stellten zunächst das Set um, indem sie den zweiten Teil ihres Auftritts mit einem Stück begannen, dass eigentlich als letztes Lied vorgesehen war und lediglich mit Bass und Annas bezaubernder Stimme vorgetragen wurde.

Beschränkt auf Klavier und Bass nahmen die Lieder eine balladeske Note an, wodurch ein von vornherein romantisches Lied wie They Can’t Take That Away from Me in reduzierter Besetzung nochmals romantischer schien.

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Versöhnlicher Abschluss

Erst zu Have You Met Miss Jones?, der vierten Nummer der zweiten Hälfte, fand Bernd Ratmeyer zurück auf die Bühne. Ohne das Konzert zu unterbrechen, wurde er mit großem Applaus begrüßt, hielt stolz das mitgebrachte Ersatzequipment in die Luft und stieg mit seinem Schlagzeugspiel direkt in das laufende Stück ein, was ebenfalls mit viel Applaus gewürdigt wurde.

So wurde aus dem romantischen Trio wieder ein swingendes Quartett, das diesen abenteuerlichen Abend versöhnlich zu Ende brachte. Sie boten das vom Publikum lautstark geforderte Papirosen dar und ließen ihren Auftritt mit Interpretation von Cole Porter und Tom Waits sowie einer finalen Zugabe ausklingen.

Benny Krüger

Category: Musik