Interview mit Susanne Gmelch

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22. Januar 2017

Ihre Stimme ist genauso gefühlvoll wie ihre Texte: Die Sängerin Susanne Gmelch wird bei The Orange Room ihren ersten großen Soloauftritt in ihrer neuen Heimat Berlin haben. Die gebürtige Bayerin studierte Medienwirtschaft in Stuttgart. Seit 2016 lebt und arbeitet sie als Musikerin in Berlin.

Susanne, wann hast du angefangen, Musik zu machen?

Ich habe sehr früh angefangen. Mit 7 Jahren habe ich meine erste Gitarre bekommen, meine Schwester ein passendes Klavier und mein Bruder ein Schlagzeug. Wir haben in der Familie schon immer sehr viel gesungen und viel Musik gemacht. Mit 11 Jahren habe ich mit Gesangsunterricht begonnen und genoss dementsprechend jahrelang eine richtige Gesangsausbildung.

Wann hast du dich entschieden, Sängerin werden zu wollen?

Ich glaube, das war bei mir schon immer klar. Ich war wohl die Lauteste, die immer am meisten was mit ihrer Stimme gemacht hat. (lacht) Ich habe aber tatsächlich – als ich noch ganz, ganz klein war – schon immer gesagt, ich will singen. Das kam einfach so aus dem Nichts, das kam halt aus mir heraus.

Welche Musiker hörst du persönlich am liebsten?

Mein erstes Idol – wenn man das so nennen kann – war tatsächlich Elvis Presley. Den habe ich eine Zeit lang rauf und runter gehört. Danach kamen die Beatles. In einer Zeit, in der meine ganzen Klassenkameraden Backstreet Boys, Nsync und solche Boybands gehört haben, habe ich die Beatles gehört! Die waren natürlich nicht sonderlich angesagt bei den anderen, aber ich fand das gut. (lacht)

Jetzt sind es vor allem tolle Sängerinnen und Künstlerinnen wie Tina Dico, Sara Bareilles, Lianne La Havas oder Agnes Obel. Sowie deutschsprachige Künstler wie Maxim, Bosse, Clueso oder Bilderbuch. Ich höre aber kreuz und quer, in der Regel meist etwas abseits von der Chartmusik.

Die Texte, die du singst, schreibst du selbst, wodurch deine Lieder eine sehr persönliche Note erhalten. Siehst du dich eher als Sängerin oder als Komponistin?

Ich sehe mich in erster Linie als Sängerin, das war auch schon immer meins. Ich habe immer gesagt, ich will singen. Ich habe eigentlich nie gesagt, ich will schreiben. Dass ich texte und komponiere hat sich vielmehr aus einer „Not“ heraus ergeben, weil ich gemerkt habe, dass man mit singen allein nicht weit kommt. Man wird nicht sonderlich ernst genommen, wenn man einfach nur sagt, man kann schön singen. Da muss auch erst mal jemand sein, der einem was gibt, was man singen kann. Daraufhin habe ich eigentlich erst angefangen, zu schreiben.

Schielst du dabei auf mögliche Mehreinnahmen, zum Beispiel durch die GEMA?

Mir geht es gar nicht darum, mehr zu kriegen, wenn ich auch mehr Anteil an den Songs habe. Es war einfach nie jemand da, der etwas passendes für mich gemacht hat. Wenn ich irgendein Püppchen sein möchte, das irgendetwas macht, was ihr irgendein Produzent sagt, damit die irgendwie Kohle verdienen, dann hätte ich das machen können. Aber das war nicht mein Weg. Ich wollte etwas machen, was mir auch was gibt, was mir Spaß macht zu singen und worin ich mich wiedererkenne. Es ist aber unheimlich schwer, da die richtigen Leute zu finden, die einen diesbezüglich unterstützen und die etwas mit oder für einen machen. Nachdem da niemand war, der so richtig gepasst hat, habe ich es selbst in die Hand genommen.

Warum singst und schreibst du auf Deutsch?

Die Entscheidung habe ich getroffen, weil ich der Meinung war und nach wie vor bin, dass man sich in seiner Muttersprache besser ausdrücken kann – schon allein aufgrund des größeren Wortschatzes. Der Vorteil ist zudem, dass das Publikum einen viel besser versteht und die Emotionen der Songs viel besser aufnimmt. Es ist mir wichtig, dass ich Geschichten erzähle, dass ich wirklich echte Sachen vermittle und nicht irgendetwas singe und im Nachhinein sagen die Leute: „Das war ja eine sehr schöne Melodie.“ Ich denke mir dann: „Ja gut, und um was ging’s so?“ (lacht) Ich finde, wenn man Deutsch schreibt, sollte man darauf achten, dass es wirklich eine Aussage hat und dass es schön ist.

Ist es einfacher, auf Deutsch zu schreiben als auf Englisch?

Deutsch beinhaltet immer die Schwierigkeit, dass es eine sehr harte Sprache ist und dass man auch mit vielen Wörtern ganz schnell in Schubladen landet. Ein falsches Wort und auf einmal ist man im Schlager. Deswegen ist es schon sehr schwer, auf Deutsch zu schreiben. Einfacher wäre es, Englisch zu schreiben, was ich aber in neuen, anderen Projekten tatsächlich wieder tue.

Dein Debüt „Heiße Schokolade“ erschien 2011, drei Jahre später folgte „Alles anders“. Auf deiner Website spricht du von großen Veränderungen zwischen diesen beiden Platten. Wie sahen diese Veränderungen aus?

Am deutlichsten zu hören ist, dass die Instrumente ganz andere sind. Die erste CD war mit meiner Originalbesetzung von – damals hieß es noch – Soulyla. Das war eine Pop-Funk-Soul-Band mit Schlagzeug, E-Gitarre, Hammondorgel, Bass und natürlich Gesang. Das war alles sehr funkig. Jetzt ist die Besetzung Stimme, Piano und Cello.

Neben der Musik sind zudem die Texte ganz anders. Ich habe damals erst angefangen mit den deutschen Sachen und dachte, es reicht aus, schöne Sachen zu erzählen und mir Geschichten auszudenken, die mir oder meinen Freunden passiert sein könnten. Das war alles ganz nett und ich glaube nach wie vor, dass das nicht schlecht war – aber es ist nicht mehr vergleichbar mit dem, was ich jetzt mache. Mittlerweile arbeite ich monatelang an den Texten, versuche schöne Worte zu benutzen und lyrischer zu schreiben.

Du hast dich nicht nur musikalisch verändert und weiterentwickelt, sondern auch persönlich. Fürs Studium bist du aus deinem Heimatdorf zunächst nach Stuttgart gezogen. Wie wichtig war für dich der Wechsel vom Dorf in die Stadt?

Das war natürlich der erste große Aha-Effekt, weil ich in Stuttgart die Musikszene kennengelernt habe. Es gibt dort Theater, Bühnen, Festivals und Musiker, die viel machen. Es gibt eine Musikhochschule, es gibt Jazz, es gibt Klassik. Da passiert einiges. Es war das erste Mal, dass ich merkte, dass es durchaus möglich ist, Musik zu machen und davon zu leben, ohne Whitney Houston sein zu müssen. Ich habe dort viele Profis kennengelernt und gesehen, wie die das machen und was sie machen. Das war für mich unglaublich wichtig, ein bisschen rauszukommen und das alles zu sehen.

Dennoch hat es dich 2016 nach Berlin verschlagen. Wie kam es dazu?

Am Ende wurde es Berlin, weil ich Anfang 2015 bei Freunden zu Besuch war. Ich habe sie eine Woche besucht und wollte eigentlich nur Urlaub machen, aber dann fand ich es so schön hier.

Was ist das Besondere an Berlin?

Die ganze Stadt besitzt einen ganz anderen Vibe. Sie hat eine tolle Energie. Es gibt so viele Künstler. Als ich hier war, postete ich auf meinem Facebookprofil einfach nur: „Hey Berlin!“ – das war’s auch schon. Daraufhin haben mich Musiker angeschrieben und gefragt, ob wir uns treffen könnten und was zusammen machen wollen. Ich war total erstaunt, dass die auf mich zukommen. Ich kannte das vorher gar nicht.

Bisher war es immer so, dass ich allen hinterherlief und mir Sachen überlegen musste, die man umsetzen könnte. Wenn irgendjemand gerade Zeit und Bock hatte, war der vielleicht dabei. Aber plötzlich war es andersherum, was natürlich super angenehm war. Es ist schön, wenn Leute auf einen zukommen. Das war der Moment, wo ich dachte, das könnte es sein.

Susanne, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Benny Krüger

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