Dateline New York – Tag 4: Veronica und Tierney

tierney
14. Oktober 2013

Heute bleibt der Kühlschrank zu, weil ich zum Jazz Brunch in die North Square Lounge gehe um eine Sängerin zu sehen, die gestern abend erst noch mit Michael Franks auf der Bühne stand, mit dem sie schon 20 Jahre arbeitet: Veronica Nunn! Auch bekannt hoffentlich aus dem JazzRadio-Programm.
Der Laden ist am Waverly Place im West Village. Hier in der Nähe habe ich Ende der 80er Jahre in einem Club, den es schon lange nicht mehr gibt, zum ersten Mal Abbey Lincoln live gesehen.
Das North Square liegt am nördlichen Ende des Washington Square Parks (jaja daher der Name) und hat im hinteren Teil einen music room, wo ich ganz nah an der Bühne platziert werde. Meine Tischnachbarin ist übrigens Roz Corral, die ich am Abend zuvor im 55 getroffen habe und die hier am nächsten Sonntag singen wird.
Veronica ist eine erfrischend sympathische Frau, die man gleich von der ersten Sekunde an ins Herz geschlossen hat. Ihr Repertoire besteht aus Standards, Samba, Songs von Michael Franks von ihrem letzten Album und herrlichen eigenen Stücken, die sie im nächsten Jahr dann auch veröffentlichen wird. In der Band: ihr Ehemann Travis Shook am Klavier (in diesem Fall ein Yamaha Keyboard) und Sean Conly am Bass. Mir gefällt es so gut (wenn man den Kaffee mal außen vor lässt), daß ich für beide Sets bleibe. Veronica und ich verabreden uns für nächsten Freitag zum Interview in ihrem Apartment in Brooklyn.
Dann geht’s kurz wieder in mein Apartment um mich schrittfrisch zu machen (hat meine Oma immer gesagt) für Tierney Sutton!
Wir hatten uns im Vorfeld für ein Interview verabredet und nach einem kurzen Anruf bei ihr bestellt sie mich für 18:45 in den Jazz Standard. Der noch relativ junge Club in der 27. Strasse fällt durch sein konsequent hochwertiges Prgramm auf und Tierney feiert hier die Veröffentlichung ihres neuen Album “After Blue – the Joni Mitchell Sessions”. Tierney erzählt mir daß die wichtigste Inspiration nucht etwa eines der klassischen Mitchell-Alben war, sondern das im Jahr 2000 erschienen Werk mit ihren größten Songs orchestriert von Vince Mendoza. Und obwohl sie schon seit 20 Jahren die gleiche Band hat, ist diesmal auf dem Album und im Konzert alles anders: Mitch Forman ist am Klavier un an der B 3-Orgel ( er war vor kurzem mit Chuck Loeb in Berlin bei einem tollen Konzert), ein ganz junger, mir unbekannter Bassist (den Namen liefere ich nach), und die lebende Legende am Schlagzeug: Peter Erskine. Das Set ist ein Joni Mitchell-Fest. Tierney’s Vortrag ist einwandfrei, perfect pitch, Gänsehaut. “Both Sides Now” oder “Little Green” lassen den Raum vollständig erstummen. Auch hier gefällt es mir so gut, daß ich nach einer kurzen Absprache mit dem Hausmanager auch noch zum 2. Set bleibe. Es ist ihr letzes Set in dieser für sie außerordentlich erfolgreichen Woche. Hiermit meldet sie sich als eine der wenigen Top-Sängerinnen zurück. Ihre “Duetts” mit Erskine sind meisterhaft. Musik aus dem Album demnächst bei uns im Programm. Ach übrigens im Publikum war auch Randy Brecker, den ich diese Woche auch noch treffe.
Eigentlich wollte ich danach noch in die St. Peter’s Church, wo die ganze Nacht hindurch die Musik von Sheila Jordan und Barry Harris gefeiert werden sollte mit Dutzenden von Musikern, aber ich muß ja auch mal schlafen!

Matthias Kirsch

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